Und sie ist wieder da, die Grenze! Auch in den Köpfen.

Und sie ist wieder da, die Grenze! Auch in den Köpfen.

Liebe Freunde,
heute ist der 14.09.15. Ich sitze gerade in Ungarn in einem kleinen Hotel mit W-Lan.
Mein Laptop ist aktiv und ich kann meinen Gedanken freien lauf lassen.  Ständig düse ich durch die Welt. Dieses mal fühlt es sich anders an, ich habe Angst. Ich bin nun in Ungarn, morgen früh geht es weiter ins tiefste Osteuropa

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Bild oben: bis zu 4 Stunden Stau vor der Grenze Deutschland / Österreich
Ein riesiges Polizeiaufgebot, es war beängstigend!

Ich habe so ein komisches Gefühl. Letztes Wochenende hatten wir unseren großartigen Trödelmarkt. Viel Geld wurde in die knappe Vereinskasse gespült. Nun kann ich über 4 Tonnen Hilfsgüter, insbesondere Medikamente und Hufeisen, in unsere Stationen nach Ostrumänien liefern. Das ist großartig! Ich bin alleine unterwegs. Ich denke an meine Familie, meine beiden Kinder sind nach einem Unfall eingegibst. Meine Frau hat vermutlich viel Stress mit Haus und Hof. Tiffany muss für mich mitschmieden, alle sind fleißig.
Eigentlich geht es mir gut, der Vereinsbus läuft super mit dem 3 Tonnen schweren Anhänger. Ich kann viel nachdenken, über mich, mein Leben, meine Liebsten und natürlich über das Projekt, es ist groß geworden. Wir sind kein Kleckerverein mehr.

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Bild oben: So fuhr ich heute durch Österreich, ich hatte ständig Geleitschutz.
Die Polizei war ständig präsent. Verdächtige Fahrzeuge werden gestoppt und
nach Flüchtlingen durchsucht.

Heute Morgen fuhr ich ab von der österreichischen Autobahn. Ich musste tanken, hierbei suche ich nach dörflichen Tankstellen, diese sind teilweise bis zu 28 Cent günstiger. Ich fahre auf einer kleinen Landstrasse als plötzlich, ca 30 syrische Bürger, aus einem Feldweg kommen. Sie standen nun auf meiner Fahrbahn und wirkten desorientiert und hilfesuchend. Ich öffnete mein Fenster, ein Mann sprach mich an und flehte darum seine Gruppe nach Deutschland zu bringen. Er hatte gütige Augen, sein Englisch war perfekt, viel besser als meins. Frauen , Kinder, Jugendliche blickten mich an.  Alle wirkten verängstigt. Ich erklärte das die Grenzen absolut dicht sind. Aber auch in Österreich würde man ihnen helfen, sie sollten keine Angst haben, erklärte ich ihnen. Ich hatte meinen beruhigenden Worte kaum ausgesprochen als sich zwei Polizeibusse näherten.  Eine junge Polizistin sprach die Gruppe nett an. Die österreichische Polizei war sehr nett und bot Hilfe an.
Ich setzte meine Reise fort mit einem Klos in meinem Hals. Ich bin stolz auf Österreich und Deutschland. Menschlichkeit besiegt Vorurteile.
Ich dachte während meiner weiteren Fahrt an diese Menschen und da
ran das auch ich alles mögliche riskieren würde um das Leben meiner Familie zu schützen.
In Rumänien warten nun viele Pferde und viele Menschen auf unsere Medikamente.
Auch dort leben Menschen unter grusligen Umständen. Aber sie werden nicht verfolgt oder erschossen. An eine bessere Zukunft und faire Chancen für jeden EU-Bürger wird noch gearbeitet, aber immerhin- es wird daran gearbeitet.

Freiheit bedeutet auch auf etwas verzichten zu dürfen, Freiheit bedeutet auch teilen zu dürfen. Lasst uns unsere Herzen öffnen, denn auch wir könnten in Syrien geboren worden sein, oder?
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Bild oben: derzeit überall Polizeikontrollen.
Nach “Schlepperfahrzeugen” wird gesucht.

Ich weiß nicht was die Zukunft bringt, es ist eine Herausforderung unbekannter Dimensionen. Sicherlich wird Deutschland und die gesamte EU vor vielen Problemen gestellt. Aber wenn die Toleranz und Menschlichkeit siegt, dann werden wir gestärkt in eine gute Zukunft gehen.
Ich möchte nichts anderes machen in meinem Leben. Das, was ich derzeit mit der Unterstützung von über 800 Vereinsmitgliedern  bewege, ist die Würze des Lebens. Nicht wegschauen sondern anpacken.
Wir gestalten unsere Welt, kein anderer!

Ich danke allen Vereinsförderern, unsere Kraft resultiert aus eurer Hilfe.
Herzlichst, euer Markus Raabe und Team